artist statement

 

 

Sowohl Kunst als auch Ethik erfordern, dass wir einen Schritt zurücktreten von unserem üblichen - egoistischen - Standpunkt, um die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Unser Verständnis von Kunst und unser Bestreben, ethisch zu handeln, erfordern Empathie.

Empathie gibt uns - wenn wir ein Kunstwerk betrachten - die Möglichkeit, den Grenzen unserer Alltagssorgen zu entkommen und uns selbst und andere in einem anderen Licht zu sehen.

Laut Wittgenstein: "Das Kunstwerk ist das Objekt, das sub specie aeternitatis gesehen wird; und das gute Leben ist die Welt, die sub specie aeternitatis gesehen wird. Das ist die Verbindung zwischen Kunst und Ethik".

Ich hoffe, dass die Menschen beim Betrachten meiner Arbeit etwas von sich selbst sehen, das auf sie zurückblickt - sub specie aeternitatis.

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Meine Haut ist mein größtes Organ und mein größtes Organ ist seit vielen Jahren defekt.
Ich bin atopisch, was bedeutet, dass ich Probleme mit meinen Augen, meiner Lunge, Allergien und vor allem meiner Haut habe. Jeden Tag spielt sich mein emotionales Leben auf meiner Haut ab. An manchen Tagen lässt mich meine Haut in Ruhe, an anderen Tagen macht sie mich so wütend, dass ich sie in Stücke reißen will. Manchmal tue ich das auch.
Die Abwehrkräfte meiner Haut sind schwach und versagen häufig. Meine Haut kann unerträglich juckend und trocken sein und bietet keine zuverlässige Schutzbarriere gegen Wasser und die Außenwelt. Meine Haut ist anfällig für Angriffe von außen und leicht infizierbar.
Das Waschen von Pinseln unter fließendem Wasser über viele Jahre hinweg hat beispielsweise dazu geführt, dass sich die Haut an meinen Händen stellenweise verschlechtert hat. Heutzutage ist es besser, Handschuhe zu tragen, wenn ich meine Bürsten wasche.
Meine Haut gibt einen Hinweis auf meinen Gesundheitszustand und meinen Geisteszustand. Es ist ein Blick in meine Seele. Ich trage mein Herz nicht auf meinem Ärmel, sondern auf meiner Haut.
Ich bin ein Künstler. Ich male auf meine Haut.

Ein rechteckiger Holzrahmen wird auf ein passendes Stück rohe Leinwand gelegt, wobei gerade genug Stoff vorhanden ist, um den Rahmen zu umschließen.
Ein Heftklammerhagel wird in den Rahmen geschossen, bis die Leinwand so eng wie ein Trommelfeld ist, in alle möglichen Richtungen gespannt, mit der ganzen Würde eines patagonischen Lamms al asador.
Die unbehandelte, wasserabsorbierende Leinwand wird dann mit drei Schichten Acrylprimer versiegelt, um sie wasserdichter zu machen. Danach werden drei weitere Schichten weißer Gesso auf die Leinwand aufgetragen, die jeweils mehrere Stunden zum Trocknen benötigen.
Die Leinwandoberfläche ist nun ein kreideweißes, mit Läsionen von unregelmäßigen Pinselstrichen, Narben von ungleichmäßig aufgetragener Farbe, zufälligen Haaren und wie so viele Pockspuren die gelegentlichen Klumpen von getrockneter Gesso-Farbe.
So ist die Leinwand nun zu meiner Haut geworden: aufgezogen auf der Folterbank der Erinnerung und bereit, Zeugnis abzulegen.